Berlin – Die Lieferprobleme bei vielen Arzneimitteln sind längst kein Geheimnis mehr. Viele Apotheken müssen sich täglich mit der Frage beschäftigen, wie sie ihre Patient:innen versorgen können, wenn die gewünschten Präparate nicht lieferbar sind. Besonders betroffen sind Medikamente für Kinder, wie zum Beispiel Paracetamolsaft. Dieser wird häufig bei Fieber und Schmerzen eingesetzt, ist aber seit Monaten nur schwer zu bekommen. Wie kommt es zu dieser Situation und wie gehen die Apotheken damit um?
Die Gründe für die Lieferengpässe sind vielfältig und oft nicht transparent. Es kann an Rohstoffmangel, Produktionsausfällen, Qualitätsmängeln oder logistischen Schwierigkeiten liegen. Manchmal ist auch die Nachfrage einfach höher als das Angebot, zum Beispiel in der Erkältungszeit oder während einer Pandemie. Die Hersteller sind zwar verpflichtet, die Lieferunfähigkeit zu melden, aber nicht immer werden die Ursachen oder die voraussichtliche Dauer der Engpässe bekannt gegeben.
Für die Apotheken bedeutet das einen enormen Mehraufwand und Stress. Sie müssen ständig nach Alternativen suchen, mit den Großhändlern und den Herstellern verhandeln, die Patient:innen beraten und informieren, Rezepte umschreiben lassen oder auf andere Apotheken verweisen. Dabei gibt es keine einheitliche Regelung, wie die knappen Arzneimittel verteilt werden. Jeder Großhändler und jeder Hersteller hat sein eigenes System, oft basierend auf dem Bestellverhalten der Apotheken.
Das führt dazu, dass manche Apotheken mehr Glück haben als andere und an größere Mengen von Paracetamolsaft kommen. Ein Filialleiter berichtet, dass er durch frühzeitiges Bestellen rund 2000 Packungen erhalten hat. Er sieht darin kein Problem, sondern eine Geschäftsstrategie. „Ich nutze nur die Möglichkeiten, die mir der Markt bietet“, sagt er. „Außerdem profitieren davon auch die Patient:innen, die wissen, dass sie bei uns fündig werden.“
Andere Apotheken sehen das anders. Sie kritisieren das Verhalten als egoistisch und unfair. Sie fordern eine solidarische Lösung, bei der alle Apotheken gleichmäßig beliefert werden und sich gegenseitig unterstützen. Sie weisen darauf hin, dass Paracetamolsaft ein verschreibungspflichtiges Medikament ist und nur nach ärztlicher Anweisung abgegeben werden darf. Sie befürchten auch, dass eine Hortung von Arzneimitteln zu einem noch größeren Mangel führen könnte.
Die Situation ist also komplex und schwierig zu lösen. Es braucht mehr Transparenz und Kommunikation zwischen allen Beteiligten sowie eine bessere Planung und Überwachung der Arzneimittelversorgung. Bis dahin müssen die Apotheken weiterhin kreativ und flexibel sein, um ihren Patient:innen zu helfen.